Vorstandsinterview: "Dauerhaft attraktiv – ohne Wenn und Aber"

Hinter der comdirect bank liegt das beste Geschäftsjahr ihrer Geschichte. Das forcierte Wachstum der Bank, befl ügelt durch den Erfolg von Tagesgeld PLUS und Girokonto, kommt im markanten Anstieg der Kundenzahl ebenso zum Ausdruck wie im Rekord- Einlagevolumen und einem Allzeithoch bei den Erträgen. Geht es mit derselben Dynamik weiter? Wie entwickelt sich das Marktumfeld? Und wo liegen die Schwerpunkte der künftigen Markt- und Produktoffensive? Ein Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Andre Carls und den Vorstandsmitgliedern Karin Katerbau und Torsten Daenert.

Frau Katerbau, Herr Dr. Carls, Herr Daenert – im zurückliegenden Geschäftsjahr hat die comdirect bank viele neue Rekordmarken aufgestellt. Welche davon sind aus Ihrer Sicht besonders bemerkenswert?

Carls: Grundsätzlich alle – denn die Rekorde zeigen, dass sich unsere Wachstumsinvestitionen für die comdirect bank und ihre Aktionäre auszahlen. Wenn ich dennoch ein Produkt hervorheben darf, dann sicher das Tagesgeld PLUS, neben dem Girokonto unser zweites Ankerprodukt im Banking. Wir wussten um die Vorzüge dieser attraktiv verzinsten und zugleich hochflexiblen Geldanlage im Wettbewerbsvergleich – aber dass unser Tagesgeld PLUS in etwas mehr als einem Jahr schon 400.000 Kunden überzeugen konnte, hat unsere Erwartungen bei weitem übertroffen. Doch wollen wir uns bei allen neuen Rekordmarken nicht auf die Schulter klopfen: Vor uns liegen zwei weitere anspruchsvolle Jahre forcierten Wachstums.

Katerbau: Ein zentraler Punkt ist, dass der Wachstumskurs auch weiterhin alle Kompetenzfelder der Bank betrifft. Im Jahr 2007 ging es neben dem Tagesgeld PLUS mit den Girokonten weiter kräftig nach oben, im Brokerage legten Wertpapierdepots und -sparpläne zu, und in der Beratung haben wir die Kundenzahl um gut 60 % gesteigert. Unsere Ziele im Rahmen von comvalue haben wir bewusst für alle drei Kompetenzfelder aufgestellt – und überall ist die comdirect sehr gut unterwegs.

Daenert: Ein weiterer Aspekt ist bemerkenswert: Unser Wachstum rührt nicht allein aus neuen Kundenbeziehungen her, sondern ebenso aus der immer aktiveren Nutzung unserer Produkte. Schon 44% unserer Kunden nutzen mindestens zwei Produkte der Bank. So haben nicht wenige Girokonto- und Tagesgeld-Neukunden gleichzeitig ein Depot eröffnet, um die Vorteile von comdirect auch bei Wertpapierinvestments nutzen zu können. Das heißt im Umkehrschluss: Wir sind auf Kundenebene immer stärker verankert und werden zunehmend als Erstbank, wenn nicht gar als einzige Bank genutzt.

Bei allem Erfolg im zurückliegenden Jahr stellt sich die Frage, ob die Bank dieses Tempo zukünftig halten kann. Betrachtet man die zahlreichen Angebote ihrer Wettbewerber, so hat man den Eindruck, dass der Wind insgesamt rauer geworden ist.

Daenert: Über mangelnde Konkurrenz konnten wir uns schon im abgelaufenen Jahr nicht beklagen; trotzdem ist uns der Sprung in eine neue Größenordnung gelungen. Natürlich registrieren wir derzeit eine Reihe von attraktiven Tagesgeld- und anderen Zins-Angeboten – und sehr viel mehr kostenlose Girokonten als beim Start unseres Wachstumsprogramms. Dass uns dennoch mit beiden Ankerprodukten ein so starkes Wachstum gelungen ist, kann eigentlich nur einen Grund haben: Kunden wollen mit einem fairen Bankpartner zusammenarbeiten, der stets attraktive Konditionen bietet. Unser Tagesgeld PLUS ist ein Renner, weil es eine dauerhafte Top-Verzinsung für einen Anlagebetrag von bis zu 30.000 Euro bietet – und weil unsere Kunden darauf vertrauen können, dass dies so bleibt. Unser Girokonto behauptet sich im intensiven Wettbewerb, weil es für ein Höchstmaß an Bedienungskomfort steht und dabei nicht nur kostenlos geführt wird, sondern monatlich einen Euro auszahlt.

Gibt es denn für Sie und Ihre Wettbewerber überhaupt noch ein hinreichendes Kundenreservoir – oder ist der Teich schon leer gefischt?

Carls: Es gibt rund 90 Mio. Girokonten in Deutschland und 1,3 Billionen Euro Einlagen privater Haushalte. Natürlich werden nicht alle Kunden über kurz oder lang bei einer Direktbank landen – aber der Anteil derjenigen, die ihre Finanzen eigenständig online managen wollen, wächst weiter. Die Entwicklung des Internets tut ihr Übriges: Bankgeschäfte sind so eben viel individueller, schneller und komfortabler geworden, und Direct Banking erreicht immer breitere Bevölkerungsschichten. Wenn dann noch – wie bei uns – im Bedarfsfall hochprofessionelle, maßgeschneiderte Beratung dazukommt, stimmt das Leistungspaket für den modernen Anleger. Über Wachstumsgrenzen müssen wir uns da in den nächsten Jahren nicht unterhalten.

Apropos Internet – auf der Seite von comdirect hat sich im Jahr 2007 wieder einiges getan. Irritiert es nicht die Nutzer, wenn Sie laufend mit neuen Features und veränderter Navigation konfrontiert werden?

Katerbau: Genau das Gegenteil ist der Fall: Unsere vor kurzem durchgeführte Kundenbefragung zeigt, dass die Gesamtzufriedenheit auf den höchsten Wert in der Geschichte der Bank gestiegen ist. Unter dem Leitbegriff Simplexity ist es uns gelungen, das umfangreiche Leistungsspektrum der comdirect so einfach wie möglich darzustellen. Besonders wichtig war dabei, die unterschiedlichen Kundenmotive noch direkter anzusprechen und den Kunden ohne Umwege zu den passenden Leistungsangeboten zu navigieren. Natürlich war der Ausbau unserer Online-Funktionen nicht auf die Produktpräsentation beschränkt. Mindestens genauso wichtig war es uns, bislang papierhafte Prozesse wie das Ausfüllen von Freistellungsaufträgen oder den Handel mit Bezugsrechten onlinefähig zu machen.

Während sich die Marktoffensive im Rahmen von comvalue vorwiegend auf das Banking fokussiert, haben Sie das Brokerage in den Mittelpunkt der Produktoffensive gestellt. Warum?

Carls: Wir haben – bei allem Wachstum von Banking und Beratung – unsere stärkste Marktposition weiterhin im Online Brokerage. Und hier wollen wir nicht bloß verteidigen, sondern angreifen. Wie zahlreiche Auszeichnungen immer wieder belegen, schätzen unsere Kunden ganz klar die technischen Vorzüge, die ihnen die comdirect bietet. Mit innovativen Orderfunktionen wie der Next Order bauen wir den Vorsprung aus und ermöglichen die noch professionellere Umsetzung von individuellen Trading-Strategien. Zudem verfügen wir mit unserem LiveTrading über eine leistungsstarke und effiziente außerbörsliche Handelsplattform, an die jetzt 28 Handelspartner angeschlossen sind – also fast alle wesentlichen, die auf dem deutschen Markt tätig sind.

Daenert: Sehr großes Potenzial sehen wir auch bei langfristigen Wertpapier-
investments. Hier wollen die Anleger einerseits eine breite Auswahl haben, andererseits auch Hilfe stellung erhalten. Beides gibt es bei comdirect. Wir haben das Angebot an sparplanfähigen Zertifikaten auf über 100 verdoppelt, offerieren Sparpläne auf 24 ETF-Indexfonds und ermöglichen als einer von wenigen Anbietern in Deutschland die freie Kombination der unterschiedlichen Sparplantypen. Deneben setzen wir Glanzlichter, die im großen Anlageuniversum Orientierung geben. So bieten unsere 15 fortlaufend qualitätsgeprüften FondsDiamanten alles, was man für ein Basisinvestment benötigt – und das ganz ohne Ausgabeaufschlag.

Carls: Hier gibt es auch etliche Anknüpfungspunkte zum Beratungsgeschäft. Die FondsDiamanten wurden im Rahmen des sehr erfolgreichen zweiten n-tv Depot-Checks bereits zur Portfoliooptimierung eingesetzt, mit durchweg überzeugenden Ergebnissen. Die Verzahnung von Online- und Offline- Angebot wird aber noch intensiver werden. Denken wir nur mal an die Abgeltungssteuer: Ein Anleger, der sein Depot rechtzeitig „abgeltungssteuerfest“ machen will, braucht neben geeigneten Produkten wie zum Beispiel Dachfonds auch eine kompetente und unabhängige Beratung.

Vor allem für die Marktoffensive haben Sie im Geschäftsjahr 2007 viel Geld ausgegeben. Hätte es nicht ein bisschen weniger sein dürfen – zugunsten eines noch besseren Ergebnisses vor Steuern und noch mehr Dividende?

Katerbau: Uns ist wichtig, die attraktive Marktsituation für Direktbanken umfassend zu nutzen und unsere Ertragsbasis über ein immer stärkeres Einlagen- und Beratungsgeschäft nachhaltig zu verbreitern. Wir wollen ertragsstark sein, auch wenn es an den Börsen mal nicht so gut laufen sollte. In dieser Hinsicht haben wir schon viel erreicht, wie beispielsweise der um 43 % gestiegene Zinsüberschuss zeigt. Während wir also noch investieren, beginnen wir schon die Ernte einzufahren.

Wie haben Sie die Kundengelder zinsbringend angelegt – und wie haben Sie es geschafft, dabei nicht in den Strudel der Marktverwerfungen zu geraten?

Daenert: Unsere Treasury-Strategie ist grundsätzlich konservativ. Wir legen die uns anvertrauten Kundengelder zum überwiegenden Teil kurzfristig am Geldmarkt an. Dort kam es bekanntermaßen zu vorübergehenden Liquiditätsengpässen, weil Banken nicht mehr in ausreichendem Maße bereit waren, sich untereinander Geld zu leihen. Für uns als Liquiditätsgeber war diese Entwicklung insgesamt von Vorteil, da die kurzfristigen Geldmarktzinsen und damit die Zinsmarge angestiegen sind. Verglichen damit fielen die Wertveränderungen bei forderungsbesicherten Wertpapieren kaum ins Gewicht, da wir hier nur mit geringfügigen Positionen investiert sind.

Katerbau: Unsere Risikoposition war über das gesamte Geschäftsjahr sehr stabil, die Tragfähigkeit jederzeit bei komfortablem Risikopuffer gewährleistet. Auch bei den Markt- und Adressenausfallrisiken gab es keinerlei Auffälligkeiten, Limitüber-
schreitungen oder Ausfälle.

Mit 90,5 Mio. Euro haben Sie Ihr schon nach oben angepasstes Ergebnisziel von 80 Mio. Euro klar übertroffen. Wo lief es besonders gut?

Carls: Eins vorweg: Wir haben den Anspruch, mit unserem Ergebnisziel nah an der späteren Wirklichkeit zu liegen. Die Provisionserträge aus dem Trading sind aber kaum exakt planbar. Im Jahr 2007 hat die Marktphase starker Volatilitäten länger angehalten als gedacht, entsprechend wurde mehr gehandelt. Beim Zinsergebnis haben wir von zwei Entwicklungen profitiert: Zum einem lag der Zuwachs der Kundeneinlagen über Plan. Zum anderen sind wegen der Unruhe an den Finanzmärkten Geldmarktzinsen und Risikoprämien auf den Kreditmärkten deutlich angestiegen.

Was planen Sie für 2008?

Daenert: Zuallererst eine Fortsetzung unseres forcierten Wachstums. Wie bisher werden wir unsere Markt- und Produktoffensive in Abhängigkeit von der Markt-
entwicklung flexibel steuern. Mit der neuen Vermittlung privater Baufinanzierungen haben wir gleich zu Jahresbeginn ein weiteres Glanzlicht im Banking gesetzt: Ein überzeugendes Gesamtpaket, das breite Auswahl, Top-Konditionen, starke Online-Tools und maßgeschneiderte Beratung durch Baufinanzierungsspezialisten verknüpft.

Katerbau: Die Vorhersage der Kapitalmarktentwicklung gleicht derzeit dem Lesen in einer Kristallkugel. Trades und Depotvolumen sind nur eingeschränkt planbar. Klar ist aber, dass wir die Zahl der Trades, die nicht von kurzfristigen Marktvolatilitäten abhängen, weiter steigern wollen. Im Banking rechnen wir mit einem weiteren deutlichen Anstieg des Einlagevolumens. Ein Ergebnisziel für 2008 werden wir – wie in den Vorjahren – bei Vorlage der Halbjahreszahlen bekanntgeben.

Und die Wachstumsausgaben für comvalue?

Carls: Wir werden unser Wachstumsprogramm comvalue mit unverminderter Dynamik und unter laufender Optimierung fortführen und hierfür bis Ende 2009 rund 100 Mio. Euro aus dem laufenden Cashflow zur Verfügung stellen. Wir sind sicher, dass wir damit unsere für Ende 2009 gesetzten Ziele erreichen, wenn nicht sogar übertreffen können. Ende 2008, davon bin ich überzeugt, wird sich die comdirect bank erneut einen großen Schritt in diese Richtung bewegt haben: Mit einer noch größeren Kundenbasis und einer noch aktiveren Produktnutzung werden wir Direktbank erster Wahl für deutlich mehr moderne Anleger sein.

Vielen Dank für das Gespräch.



„ Es gilt, die attraktive Marktsituation für Direktbanken umfassend zu nutzen. Wir wollen ertragsstark sein, auch wenn es an den Börsen mal nicht so gut laufen sollte.“
Karin Katerbau



„Kunden wollen mit einem fairen Bankpartner zusammenarbeiten, der stets attraktive Konditionen bietet.“
Torsten Daenert